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Blockchain & Krypto-Coins: Strom von Kohlekraftwerken

Kryptotransaktionen über die Blockchain brauchen viel Strom. Die meiste Energie stammt aus Kohlekraftwerken. Trotz klimafeindlicher CO2-Belastung verbreitet sich die Blockchain-Technologie rasant. Die Energie-Abhängigkeit des Bitcoins von China zeigte sich jünst bei einem Unglück in einem Kohlebergwerk.

Kinder demonstrieren freitags für ein besseres Klima. Sie lassen dafür auch gerne einmal eine Unterrichtsstunde in der Schule ausfallen. Grosse Autos sind für viele Menschen zum Feindbild geworden. Und wer mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegt ist sowieso ein Klimasünder und sollte Natur-Tokens kaufen.

Bloss ein Frosch, der über die Strasse läuft?

Doch was ist Klima überhaupt? Klima ist eine menschengemachte statistische Dokumentation. Eine abstrakte Grösse. Das ist kein Frosch, dem wir über die Strasse helfen können. Den wir schützen können. Wir können eine Formel auch nicht vor ihrem Ergebnis schützen. Die Liebe zu unserer Umwelt beginnt mit unserem Handeln. Auch beim Stromverbrauch. Fest steht: Viele Kraftwerke unserer Welt arbeiten heute schon ausschliesslich für die digitale Welt.

Server: Oft 24 Stunden Stromverbrauch

Ein Computer im Büro arbeitet gut und gerne seine acht Stunden pro Tag. Ein Webserver ist vierundzwanzig Stunden am Tag aktiv. Sieben Tage pro Woche. Auf einem Webserver sind zum Beispiel die Internetseiten dieser Welt gespeichert. Es braucht zusammengezählt wohl einige Kraftwerke, diese Millionen von Computern und Servern zu betreiben. Und dann gibt es noch diese kleinen computirisierten Helfer im Alltag: Die Smartphones.

Stromverbrauch der Länder pro Jahr

Alle Angaben in Terawattstunden (TWh)

China
USA
BRD
Bitcoin
NL
CH
6510
3990
524
119
111
56
Quelle: University of Cambridge, Stand 2021

Krypto-Boom: Das Mining ist ein Stromfresser

Kryptotransaktionen über die Blockchain brauchen enorm viel Strom. Denn Sie benötigen eine hohe Rechenleistung. Das ist auch so beabsichtigt: Die Verschlüsselung einer Transaktion lässt sich über viele am Blockchain-Netzwerk angeschlossene Computer nachweisen. Rechenleistung bedeutet Stromverbrauch. Und das ist nicht wenig: das sogenannte “Bitcoin-Mining” verbraucht viel Strom, rund 117 Terrawattstunden pro Jahr. Mit Mining oder „Miner“ bezeichnet man die weltweit dezentral aufgestellten Bitcoin-Rechenzentren. Als Alternative bietet sich Staking an.

Erneuerbare Energie für Kryptowährungen?

Kryptowährungen haben ein zukunftsweisendes Image. Ist auch die Energieversorgung dieser neuen digitalen Währungen innovativ? Leider nein, wie folgende Details zeigen:

  • Der Anteil an erneuerbaren Energien für die Versorgung der Krypto-Rechenleistung ist vergleichsweise gering.
  • Rund die Hälfte der Stromversorgung für das Mining kommt aus China. Vor allem aus der inneren Mongolei und Xinjiang, wie der New Scientist berichtet.
  • Dort produzieren Kohlekraftwerke günstigen Strom, belasten aber über den CO2-Ausstoss massiv das Klima.
  • Wichtig für die Stromversorgung der ins Blockchain-System integrierten Rechner sind auch Staaten wie Russland, Kanada oder der Iran. Auch hier sind die fossilen Brennstoffe sehr günstig.

Kryptos verursachen viel CO2

Die Experten sind sich nicht darüber einig, wieviel Tonnen Kohlenstoffdioxid die Kryptowährungen freigesetzen. Spezialisten der Universität Hawaii sind der Ansicht, dass pro Jahr 69 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid wegen der Kunstwährungen in die Umwelt gelangen. Das Krypto-Energiebashing durch Politiker, Journalisten und Wirtschaftsführer ist deshalb an der Tagesordnung. Aber Vorsicht: Die Blockchain-Technologie an sich ist punkto Energie nicht mit Kryptowährungen gleichzusetzen. Nicht jede Blockchain-Anwendung hat einen hohen Energieverbrauch zur Folge.

Blockchain-Technik für den Umweltschutz

Die Blockchain arbeitet aber nicht nur dem Umweltschutz entgegen. Sie lässt sich umgekehrt auch für Umweltprojekte einsetzen. So kann sie zum Beispiel den Papierverbrauch in Unternehmen dokumentieren. Zudem unterstützt sie Geschäftsmodelle, die soziale bzw. ökologische Probleme lösen. Die Eigenschaft, Daten unveränderlich aufzuzeichnen, bietet für den Umweltschutz hervorragende Potenziale. Mit den “Non Fungible Animals” des WWF lassen sich bedrohte Tierarten schützen. Die Blockchain kann unter anderem:

  • Veränderungen in Ökosystemen erfassen
  • Öko-Zertifizierungen nachweisen
  • Verantwortungsvollen Fischfang dokumentieren
  • Lieferketten überwachen
  • Regionale Blockchain-Netzwerke helfen, Kunstabfälle zu vermeiden

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Kohlekraftwerk und weshalb entsteht CO2?

Ein Kohlekraftwerk wandelt Wärmeenergie in elektrische Energie um, und zwar mit Dampf. Für den Energiegewinnungsprozess wird Kohle gemahlen und danach in die Brennkammer eingeblasen und dort verbrannt. Darauf strömt der Dampf durch eine Turbine und treibt die Turbinenschaufeln an. Durch die Kohleverbrennung entsteht CO2, das direkt in die Umwelt gelangt.

Sind Blockchain und Krypto-Coins von Kohlekraftwerken abhängig?

Ja. Dies zeigt ein Unglück im Kohlebergwerk Fengyuan in der westchinesischen Provinz Xinjiang Anfang April 2021. Wegen Sicherheitsproblemen schlossen die Behörden die Kohlegrube. Wegen des fehlenden Brennstoffs brach die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks um bis zu 40% zusammen. Die Stromreduktion liess sich anhand der Hashrate (der Geschwindigkeit beim Lösen komplexer Rechenaufgaben, mit dem neue Bitcoins geschaffen werden), messen.

Woher kommt die Energie für Bitcoins hauptsächlich?

Das Bitcoin-Mining findet laut Daten der Universität Cambridge zu rund 70 Prozent in China statt (Region Xinjiang). Die Innere Mongolei ist eine weitere chinesische Kohleprovinz. Diese hat die Kryptominer aufgefordert, ihren Betrieb bis Ende April 2021 zu schliessen.

Wie wird das Krypto-Geld errechnet?

"Krypto" bedeutet Verschlüsselung. Die Blockchain stellt sicher, dass es alle Daten zu Inhabern und Bewegungen verschlüsselt speichert. Und zwar nicht nur auf einem Server, sondern auf mehreren tausend gleichzeitig. Jede Transaktion ist so dezentral in einem Netzwerk gespeichert. Mining-Computerfarmen errechnen das Kunstgeld. Zusätzlich benötigt auch jede Transaktion über die Blockchain ihre Rechenleistung. Der Stromverbrauch einer Bitcoin-Transaktion ist ungefähr 695 000 mal so stromintensiv wie die Zahlung mit einer Kreditkarte. Belastend für die Umwelt ist auch die Anschaffung der Spezialcomputer für die Mining-Farmen. Diese haben eine Lebensdauer von nur 18 Monaten. Dann werden sie wieder ausgetauscht. Eine einzige Bitcoin-Transaktion entspricht damit ungefähr 135 Gramm Elektroschrott.

Thomas Grether

Journalist | Redakteur | Unternehmer & Umweltwissenschaftler
Schwerpunkte: Tokenisierung | Digitale Transformationsprozesse in Firmen | Internet und Webpublishing | Umwelt

Thomas Grether

Journalist | Redakteur | Unternehmer & Umweltwissenschaftler
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