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Der GNU-Taler – digitales Bargeld ohne Blockchain

GNU tönt zwar wie ein afrikanisches Tier. Es ist aber digitales Geld, das man in der Schweiz zurzeit erprobt. Der GNU-Taler ist ein gemeinsames Projekt der Schweizerischen Nationalbank und der Fachhochschule Bern. Der Taler vereint die Vorteile von Bargeld und Online-Zahlungen.

Zentralbanken denken über digitales Geld als Gegenangebot zu den Kryptowährungen privater Anbieter nach. Wenn Sie sich fragen, ob der Taler eine neue Kryptowährung wie Bitcoin, Litecoin oder Ethereum ist, lautet die Antwort auf diese Frage ja und nein. Ja, weil es sich um digitales Bargeld handelt. Nein, weil die Taler nicht durch Mining geschürft werden. Stattdessen tauschen die Anwender ihre Landeswährung in einer elektronischen Wechselstube gegen die Taler ein. Darum stellt der GNU-Taler keine eigene Währung dar.

Die 4 zentralen Komponenten des GNU-Talers

  1. Digitale Geldbörse (Wallet) als App oder Web-Erweiterung
  2. Software für Banken zur Herausgabe der digitalen Währung und Abwicklung der Transaktionen
  3. Software für Händler zur Entgegennahme der Zahlungen
  4. Software zur Überprüfung der Transaktionen

Studie: Banken können GNU herausgeben

Das neue Bezahlsystem wurde unter Mitwirkung der Berner Fachhochschule in Biel (BFH) entwickelt. Leiter des Projekts ist Prof. Dr. Christian Grothoff, Dozent für Informatik an der BFH. Mit im Projektteam sind auch Thomas Moser, ein Vorstandsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Kryptologe David Chaum. Die jetzt veröffentlichte Studie “Wie eine Zentralbank eine digitale Währung herausgeben kann” zeigt: Banken können Kryptowährungen unter Beachtung von Datensicherheit, regulatorischen Anforderungen und Umweltschutz schnell und effizient herausgeben.

Das digitale GNU-Geld kann diese Vorteile vereinen

  • Anonymer Online-Bezahlvorgang für den Käufer.
  • Geringer Energieverbrauch beim Erstellen der Taler.
  • Keine Wertschwankungen, da keine eigene Währung.
  • Verhinderung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung durch Sichtbarkeit des Verkäufers.
  • Hohe Datensicherheit durch Einbindung der Zentralbank.
Prof. Dr. Christian Grothoff, Dozent an der Fachhochschule Bern und Leiter des GNU-Projekts

Die Zentralbank erfährt bei GNU den Namen und die Kontonummer des Verkäufers und kann die Zahlung etwa zu Steuerzwecken nachverfolgen.

Prof. Dr. Christian Grothoff, Dozent an der BFH und Leiter des GNU-Projekts

Was bedeutet der Name GNU-Taler?

GNU steht für “GNU is not Unix”. Es handelt sich um ein Betriebssystem, das Freie Software benutzt. Das System besteht aus GNU-Paketen (Programme, die das GNU-Projekt freigegeben hat) sowie von Dritten freigegebene Freie Software. Der Taler ist eines von vielen Paketen, die im Rahmen von GNU entwickelt worden sind. Die Programmierung des Bezahlsystems liegt bei der Taler Systems SA. Die Anwender dürfen folgende Aktionen mit der Software durchführen:

  • ausführen
  • studieren
  • ändern
  • verbreiten
  • kopieren

GNU wird genauso ausgesprochen wie die afrikanischen Antilopen, zu deren Gattung die Gnus gehören. Auch das Wappentier des GNU-Projekts ist eine Abbildung eines Gnus. Das Wort Taler passt gut zu einem Bezahlsystem und soll die Nutzer an eine historische Silbermünze aus Mitteleuropa erinnern. Das Wort ist jedoch die Abkürzung für den englischen Begriff Taxable Anonymous Libre Economic Reserves. Die Übersetzung lautet: Steuerpflichtige, anonyme und freie Wirtschaftsreserve.

Transparente Gutschriften – keine Geldwäsche

Hier zeigt sich ein grosser Unterschied zu klassischen Kryptowährungen wie Bitcoins. Bei einer Bezahlung mit Bitcoins bleiben Käufer und Verkäufer anonym. Steuerfahnder können die Gelder schwer verfolgen. Beim GNU-Taler der Berner Fachhochschule bleibt der Käufer ebenfalls anonym. Der Verkäufer hingegen lässt sich die Taler auf seinem normalen Bankkonto in Landeswährung gutschreiben. Die Gutschrift kann der Verkäufer nicht verschleiern. Daher fallen für den Verkauf die üblichen Steuern an und Geldwäsche und Steuerhinterziehung lassen sich im Sinne der Alma verhindern.

Keine Anonymität für Verkäufer

Während der Käufer anonym bleibt, sieht es mit der Identität des Verkäufers anders aus. Wenn ein Verbraucher mit den Talern bezahlt, erhält der Verkäufer keine Taler gutgeschrieben. Stattdessen überweist die App bei einem Kaufpreis von beispielsweise 25 Euro die entsprechende Anzahl an digitalen Talern an die Zentralbank. Jeder Bezahlvorgang erhält eine individuelle Identifikationsnummer. Diese Nummer schickt die App ebenfalls an die Bank. Die Zentralbank prüft, ob die Münzen schon einmal herausgegeben wurden. Wenn es sich um einmalig vergebene Taler handelt, erhält der Verkäufer eine Gutschrift von 25 Euro auf seinem Bankkonto. “Die Zentralbank erfährt den Namen und die Kontonummer des Verkäufers und kann die Zahlung zu Steuerzwecken oder aus anderen Gründen nachverfolgen”, erläutert Christian Grothoff.

Wie läuft der Bezahlvorgang mit GNU ab?

Um mit den digitalen Talern zu bezahlen, müssen Sie erst die Taler Wallet auf ihr Smartphone herunterladen. Wenn Sie beispielsweise 50 Euro in Taler tauschen möchten, laufen anschliessend diese Vorgänge ab:

  1. Die Taler-App erstellt 50 digitale GNU-Münzen als Token.
  2. Die App belastet Ihr Bankkonto mit 50 Euro und schickt die Token zusammen mit selbst generierten Seriennummern an die Zentralbank.
  3. Nach dem Bezahlen signiert die Zentralbank die Token digital. Die von der Taler-App erstellten Seriennummern erfährt die Bank dabei nicht. Sie garantiert aber, dass jede Münze nur einmal ausgegeben wird.
  4. Die Zentralbank schickt die digitalen Münzen auf Ihr Handy und Sie können damit bezahlen.

Der Kauf der Taler läuft komplett über das Smartphone der Konsumenten ab. Alle Daten werden nur auf dem Handy gespeichert und der Anwender kann frei darüber verfügen. Den Namen des Käufers erfährt die Zentralbank nicht. “Die Taler bieten denselben Datenschutz wie Bargeld”, erklärt dazu Christian Grothoff.

Welche Vorteile bietet der GNU-Taler?

Immer mehr Verbraucher bezahlen ihre Einkäufe bargeldlos. Wenn Sie Ihre Online-Einkäufe mit einer Karte bezahlen, sehen die Kreditkartenanbieter und die Hausbank Ihre persönlichen Daten. Auch Plattformen wie Amazon, Apple, Google oder Facebook erkennen, was Sie wann einkaufen. Diese nutzen Ihre Daten, um Ihnen gezielt Werbung zu schicken. Der Einsatz der GNU-Taler dagegen sorgt für einen anonymen Bezahlvorgang ohne Registrierung. Ausserdem fallen fast keine Kosten für Sie an.

Umweltfreundlich und günstig

Die Nutzer zahlen zum Teil hohe Gebühren für den Einsatz einer Kreditkarte. Einige Anbieter berechnen für die Bestellung einer Zweitkarte oder Ersatzkarte sowie für den Versand Gebühren. Für die Herstellung der Karten verbrauchen die Anbieter Energie und verschiedene Rohstoffe. Die Taler hingegen werden online hergestellt und verbrauchen nur 1–10 Kilobyte. Inklusive Rechenzeit, Bandbreite und Speicherung fallen bei einer Transaktion in Talern lediglich Kosten in Höhe von 0,0001 US-Dollar an.

Fazit: Mit dem in der Schweiz entwickelten elektronischen Bezahlsystem können Käufer ihre Rechnungen anonym und günstig digital bezahlen.

GNU: Ohne Blockchain und schürfen

Es handelt sich zudem nicht um eine neue Währung. Daher müssen keine neuen Münzen geschürft werden und eine Blockchain kommt nicht zum Einsatz. Das sorgt für Datensicherheit und Datenschutz. Ausserdem kommt es nicht zu Kursschwankungen und die Taler behalten ihren Wert.

Hier ein Überblick über die Vorteile für die Konsumenten:

  • Anonymes Bezahlsystem
  • Keine Registrierung der Käufer notwendig
  • Grosse Datensicherheit und Datenschutz als Grundeinstellung
  • Betrugssicher
  • Kein Kursrisiko, da keine neue Währung

Was sind die Nachteile?

Der grösste Nachteil der GNU-Taler liegt darin, dass sie sich zurzeit kaum einsetzen lassen. Die Fachhochschule Bern hat bisher nur einen Snack-Automaten auf die Bezahlung mit Talern umgerüstet. Der Automat kommt seit Ende 2019 bei verschiedenen Kongressen, Foren und am Departement Technik und Informatik der FHB zum Einsatz.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist ein GNU-Taler?

Bei dem Taler handelt es sich um digitales Bargeld. Es ist keine neue Währung, sondern der Tausch von Landeswährung in Taler. Mit dem Geld können Konsumenten anonym einkaufen. Durch die Einschaltung der Zentralbank oder einer anderen Bank garantiert der Taler hohe Datensicherheit. Der Verkäufer bleibt nicht anonym. Das verhindert Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Welche Vorteile bieten die Taler?

Mit dem Taler können Sie anonym einkaufen. Als Käufer müssen Sie sich nicht registrieren und kein Kundenkonto einrichten. Ihre Einkäufe lassen sich nicht nachverfolgen. Damit verbindet der Taler die Anonymität von Bargeld mit den Vorteilen eines Online-Bezahlvorgangs wie niedrige Kosten und sichere Bezahlung.

Wo kann ich mit den Talern bezahlen?

Da sich der Taler noch in der Entwicklung befindet, können Sie mit dem digitalen Bargeld bisher nur an einem Snack-Automaten am Departement Technik und Informatik der Berner Fachhochschule in Biel zahlen. Der Automat dient als Testobjekt, um den Einsatz der Taler zu verbessern und auf andere Bereiche auszuweiten.

Thomas Grether

Journalist | Redakteur | Unternehmer & Umweltwissenschaftler
Schwerpunkte: Tokenisierung | Digitale Transformationsprozesse in Firmen | Internet und Webpublishing | Umwelt

Thomas Grether

Journalist | Redakteur | Unternehmer & Umweltwissenschaftler
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