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Mit NFC-Chip und Blockchain Weinfälschungen entlarven

Markenkleidung und Wein haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden gerne kopiert. Bei Shirts und Hosen sieht man oft schnell, dass es sich um eine Fälschung handelt. Beim Wein und erst recht tokenisierten Wein-Angeboten ist das schwieriger. Schutz vor Weinfälschungen bieten NFC-Chips und – ganz neu – die Blockchain.

Wenn Zinsen auf Sparguthaben niedrig sind, schauen Anleger vermehrt nach Anlagealternativen. Das kann Kunst sein, ein Oldtimer, Gold oder eben Wein. Doch alles, was einen Wert hat, wird gerne gefälscht. Das gilt auch für Wein – und macht es für Investoren schwieriger. Denn nicht immer erkennt man bei Weinflaschen auf den ersten Blick, ob der Inhalt der Flasche hält, was das Etikett verspricht. Auch der Kaufpreis eines Weines ist kein Garant für den Inhalt.

Weg des Weins nachverfolgen können

Annie Höger, Geschäftsführerin bei Liquid Grape in Hamburg, und ihr Kollege Henrik Maass setzen darum auf persönliche Kontakte zu den Winzern und Händlern. Liquid Grape ist ein auf Wein Investments spezialisiertes Unternehmen. Die persönlichen Kontakte bringen den beiden neben der Sicherheit über die Qualität des Weines einen weiteren Vorteil mit sich: “Wir sind üblicherweise die Dritten in der Verwertungskette. So können wir den Weg des Weines gut nachverfolgen und sind sicher, keine Fälschungen zu kaufen”, erklärt Höger. Sie hat ihre Bachelor Arbeit in Internationaler Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim University geschrieben. Thema: “Qualitative Analysis of the Reasons for Wine Faking and Possible Solutions against it”. Entsprechend gut kennt sie sich mit dem Thema aus.


Wie Händler Weinfälschungen ausschliessen

Weinfälscher wenden verschiedene Tricks an, um den Wert des Weins verbotenerweise zu steigern. Laut Annie Höger gilt es vor allem zwei Dinge zu unterscheiden:

  1. Es gibt billigen Wein, der höherwertiger klassifiziert wird, um einen vermeintlich wertvolleren Preis zu erzielen.
  2. Weinflaschen werden mitsamt Etiketten und eventuell sogar den Siegeln kopiert – enthalten allerdings nicht die versprochenen Inhalte.

“Da für ein Investment in Wein nicht jede abgefüllte Flasche in Frage kommt, liegt in unserer Branche das Fälschungsproblem eher auf den kopierten Flaschen”, sagt die Expertin. Dadurch lässt sich die Gefahr, mit Fälschungen in Berührung zu kommen, eingrenzen. “Schliesslich ist es aufwändig, eine ganze Flasche zu kopieren.” Sie sichert sich ausserdem ab, indem sie auf Prägungen und Nummern im Etikett achtet: Deutsche Qualitätsweine beispielsweise haben eine Prüfnummer und sind bis in die Weinbergslage rückverfolgbar, wie der Spiegel schreibt. Annie Höger lässt sich auch Rechnungen zeigen oder nimmt Stichproben. “Ausserdem haben die jüngeren Weine fast alle Siegel, QR-Codes und weitere geheime Zeichen. Dies macht Fälschern ihr Handwerk noch schwerer”, sagt sie.


NFC-Chip schützt noch zuverlässiger

Ausserdem schaut sie gespannt auf die neuen Technologien, die sie und ihre Branche noch besser vor Fälschern schützen will: So gibt es seit einiger Zeit Siegel mit NFC-Chip. NFC steht für Near Field Communication (Nahfeldkommunikation). Ein solcher Chip ist beispielsweise auch in Smartphones oder Girokarten enthalten und ermöglicht kontaktloses Bezahlen. An der Weinflasche angebracht transportiert er beispielsweise Informationen zur Lieferkette, zur Identifikationsnummer des Weins und auch darüber, ob die Flasche noch geschlossen ist oder nicht.

Daten sind über die Blockchain hinterlegt

Das funktioniert, weil der Winzer die entsprechenden Daten über die Blockchaintechnologie hinterlegt. Dort lassen sie sich nicht mehr ändern. Das wissen auch Fälscher. Versuchen sie, das Siegel zu entfernen, um die Flasche mit schlechterem Inhalt zu füllen, wird das Siegel zerstört. Es lässt sich nicht mehr lesen. Der Käufer weiss also, dass mit der Flasche etwas nicht stimmt – bevor er sie kauft.

Wein-Tokens sind wie ETCs mit physischen Sicherheiten hinterlegt. Ob die Auslieferung im Krisenfall tatsächlich stattfindet, halte ich für fraglich.

Stefanie Kühn, Anlageberaterin aus Grafing bei München

Blockchain bildet wichtige Wein-Informationen ab

“Das System über die Blockchain hat eindeutige Vorteile”, sagt Annie Höger. “Schliesslich hat der Winzer so im Blick, wie viele seiner Weine noch auf dem Markt sind. Dann muss die Technik aber mit der Datenschutzgrundverordnung kompatibel sein.” Ausserdem könnten in den NFC-Siegeln beispielsweise die Geschichte des Weins, Dekantiertipps und die richtige Lagertemperatur transportiert werden. Angaben, die auch für die Wertsteigerung wichtig sind. Das ist zweifelsohne ein Mehrwert für den Kunden. “Allerdings muss der Wert des Weines in Relation zum Aufpreis des technischen Schutzes stehen”, sagt Höger. “Für einzelne Winzer ist die Technologie sicherlich heute schon sinnvoll, für andere jedoch zu aufwändig.”

Fälschung der anderen Art: Existiert tokenisierter Wein?

Auch Investments in Wein-Tokens über die Tokenisierung sind nicht vor Fälschungen sicher. Anleger können sich via Tokens den Bruchteil einer sehr teuren Flasche Wein sichern. Da in den Tokenisierungsprozess die Blockchain involviert ist, liegt der Fälschungsschutz der Flaschen nahe. Bei diesen Anlagen stellt sich dem Investor aber ein anderes Problem: Gibt es den Wein wirklich, in den ich investiere? Oder bin ich auf eine Internetseite von Betrügern gestossen, die nur vorgibt, dass ich mein Geld in Wein investiere? Von solchen Plattformen hörte man beispielsweise in Zusammenhang mit der Anlage in Kryptowährungen.

Totalverlust bei ETCs ist möglich

Ganz unrealistisch ist diese Sorge auch aus einem anderen Grund nicht: Letztlich ähnelt ein Investment in Wein-Tokens einer Anlage über sogenannte ETCs in Gold. ETC steht für Exchange Traded Commodities und funktioniert wie ein ETF, also ein “Exchange Traded Fonds” (ein börsengehandelter Fonds). ETCs sind dementsprechend börsengehandelte Rohstoff-Zertifikate, also Schuldverschreibungen. Diese Konstruktion liegt auch hinter Tokens. “Die meisten Gold-ETCs sind mit physischem Gold hinterlegt”, sagt Stefanie Kühn, Anlageberaterin aus Grafing bei München. “Ob die Auslieferung des Goldes im Krisenfall aber tatsächlich stattfindet, halte ich für fraglich”, sagt Kühn. Ein Totalverlust ist also möglich.

Weinglas mit Rotwein und Token-Symbolen
Tokenisierter Wein: Die Blockchain kann Fälschungen wirksam verhindern.

Anlagebetrug: Vertrauen der Anleger missbraucht

Anderes Beispiel: 2019 wurde ein Anlagebetrug bekannt, bei dem Investoren mittels eines monatlichen Sparplans in Gold investiert hatten. Dieses sollte ein Sicherheitsdienst verwahren. Als jedoch die Staatsanwaltschaft das Unternehmen kontrollierte, flog die Irreführung auf: Es war weniger Gold an Lager, als rein rechnerisch vorhanden hätte sein müssen. Die Anleger hatten darauf vertraut, dass es das Gold gibt, in das sie investieren. So wie sie bei einer Anlage in Wein-Tokens darauf vertrauen müssen, dass es den Wein wirklich gibt. Und dass er wertsteigernd lagert. Stefanie Kühn: “Die Blockchain kann hier für entsprechende Transparenz sorgen – vorausgesetzt, die hinterlegten Informationen entsprechen der Realität.”

Diese Unternehmen setzen beim Wein auf die Blockchain

Immer mehr Unternehmen bieten Lösungen an, die auf der Blockchain basieren, um Wein fälschungssicher zu machen. Eine Auswahl: Authena, Zürich, Schweiz: legt den Arbeitsschwerpunkt unter anderem auf die Branchen Landwirtschaft, Pharma, Kosmetik. Everledger, London, Grossbritannien: bietet beispielsweise Lösungen für Versicherungen, die Luxus- und Kunstbranche. Symbol from NEM, Gibraltar: ist seit März 2021 auf dem Markt und arbeitet mit einer Art Baukastensystem, um herkömmliche Fragestellungen schnell zu lösen. VeChain, Shanghai, China: wurde als erster Blockchain Service Provider weltweit vom TÜV Saarland mit fünf Sternen ausgezeichnet. VinID, Goldach, Schweiz: gehört zu CollectID. VinID ist auf Fine Wine spezialisiert, CollectID auf Luxusgüter und die Sportindustrie.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie kann ich mich vor gefälschtem Wein schützen?

Qualitätsweine erkennt man oft an entsprechenden Siegeln und Prägungen im Etikett. Allerdings können Fälscher diese nachmachen. Derzeit ist der beste Schutz gegen eine Fälschung ein so genanntes NFC-Etikett mit Speicherung der zugehörigen Daten in der Blockchain. Die Informationen dort können nicht geändert werden. Und das Siegel ist üblicherweise nicht mehr lesbar, wenn es entfernt wird, um den Flascheninhalt auszutauschen.

Welche Informationen enthält ein NFC-Etikett am Wein?

Grundsätzlich kann ein NFC-Etikett alle beliebigen Informationen transportieren und über die Blockchain abbilden. Wichtig ist die Identifikationsnummer des Weins, Informationen zur Lieferkette und darüber, ob die Flasche noch geschlossen ist. Zudem kann die Geschichte des Weins dort gespeichert werden sowie beispielsweise Informationen zur richtigen Lagertemperatur.

Wo liegt die Gefahr bei der Anlage in Wein-Tokens?

Betrüger fälschen Anlageportale im Internet und bieten tokenisierten Wein an. Sie bauen Webseiten auf, die versprechen, das Geld der Investoren in Weintoken anzulegen. Statt dessen schöpfen sie das Geld nach der Einzahlung ab. Achten Sie darum auf das Impressum: Ist eines vorhanden? Sind nachvollziehbare Adressdaten hinterlegt? Recherchieren Sie im Internet nach Erfahrungen anderer Anleger. Fragen Sie gegebenenfalls einen Experten, der Ihnen bei der Einschätzung einer solchen Internetseite hilft. Das kann beispielsweise ein Verbraucherschützer sein.

Bettina Blass

Wirtschaftsjournalistin & Redakteurin | Verbraucherspezialistin
Schwerpunkte: Wirtschaft | Verbraucherschutz | Internet

Bettina Blass

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